Korkrinde
Die Korkeiche (botanisch Quercus suber) hat vor langer Zeit einen
besonderen Mechanismus entwickelt, um Waldbrände einigermaßen
unversehrt zu überstehen: ihre Rinde ist feuerhemmend und
außerordentlich wärmedämmend. Die Rinde besteht zu fast 90% aus Luft,
die in dem inneren Zellraum der Rindenzellen eingeschlossen ist und
durch ein spezielles Wachs, das Suberin, sind die Zellwände weitgehend
flüssigkeits- und gasdicht, die Luft kann nicht entweichen.
Gleichzeitig sind die Zellwände dieser Korkzellen sehr widerstandsfähig
und flexibel, sie sind extrem komprimierbar und dennoch elastisch, die
Korkrinde ist daher unempfindlich gegen Beschädigung und reißt nicht.
Wenn man viele Tennisbälle miteinander verkleben würde, hätte man ein
Material mit einigen ähnlichen Eigenschaften wie diese Rinde: leicht,
sehr elastisch und gut wärmedämmend. Die Tennisbälle haben allerdings
eine andere Farbe und sind sehr viel größer als die mit bloßem Auge
nicht sichtbaren Korkzellen. Ein Krümel oder ein Würfel mit 1 mm
Kantenlänge Naturkork besteht im Mittel aus über 30.000 Korkzellen, 100
Millionen Korkzellen passen in einen Fingerhut. Und 1 Liter Naturkork
wiegt nur ca. 120 - 200 g. Außerdem ist Kork für Flüssigkeiten
praktisch undurchlässig, gegen viele Chemikalien und Wasser
unempfindlich und Kork hat durch Gerbstoffe antibakterielle
Eigenschaften und ist fäulnisbeständig.
Die Bezeichnung Kork ist dem spanischen alcorque "Schuhzeug mit
Korksohlen" (lateinisch cortex "Rinde, Borke, dicht") entlehnt, in der
Lederindustrie wurde Kork noch vielfach als Pantoffelholz bezeichnet.
Seit der Antike werden Schuhsohlen aus Kork und Kork-Schwimmer für
Fischernetze verwendet, manche Dächer wurden mit Korkrinde gedeckt.
Marcus Terentius Varro (116 - 27 v. Chr.) beschreibt die Eignung von
Kork (cortex) zur Wärmedämmung bei Bienenstöcken in seinem Werk
"Disciplinae". Plinius der Ältere (23/24 - 79) beschreibt in seiner
Naturgeschichte, der "Naturalis Historia", unter anderem bereits
Verschlüsse für Gefäße aus zylindrisch geformten Korkstopfen.
Nachdem sich die Glasindustrie im 17. Jahrhundert entwickelt hatte,
wurden ab der Mitte des 18. Jahrhunderts immer mehr Flaschen anstelle
von Fässern verwendet; es entstand eine Korkindustrie durch die
Nachfrage nach Verschlüssen.Im 19. Jahrhundert wurden bereits in großen Teilen Spaniens und Portugals Korkeichen bewirtschaftet.
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Korkenschneidemaschine aus "Die Monographie des Korkes" von Albert Klauber, 1920, Reprint |
Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden Korkprodukte zur Wärmedämmung, zunächst bei Dampfkesseln und Rohrleitungen, und dann auch in Bauten eingesetzt. Der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright (1867 - 1959) hatte in einigen Entwürfen schon Korkfußböden vorgesehen.
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